Ankommen im Chianti – Zwischen Weinbergen und gutem Essen
Nach einigen entspannten Tagen in Lucca heißt es für uns Abschied nehmen. Unser nächstes Ziel liegt direkt im Herzen der Toskana: Radda in Chianti, ein kleines, verschlafenes Bergdorf mitten in der Bilderbuch-Toskana.
Doch bevor wir unser neues Zuhause erreichen, wartet noch ein überraschender Zwischenstopp, der ich schnell als eines der kulinarischen Highlights der gesamten Reise herausstellt.
Eingebettet zwischen sanften Hügeln, Weinbergen und den typischen Zypressenalleen liegt die Fattoria La Vialla. Schon bei der Ankunft fühlt es sich an, als wären wir mitten in einer Postkarte gelandet. Hier beginnt für uns das eigentliche Weinabenteuer dieser Reise – und hier werden die Bilder Realität, die wir vorher noch in Lucca im Kopf hatten.

Während einer Führung über das weitläufige Gelände der Fattoria lernen wir die Philosophie des familiengeführten Bio-Betriebs kennen. Überall herrscht geschäftiges Treiben. Mehr als 200 Hühner, rund 1.300 Schafe und zahlreiche Mitarbeitende sorgen dafür, dass der Hof wie eine kleine eigene Welt wirkt.
Wir probieren frisch gebackene Cantucci, erfahren mehr über die Herstellung der hofeigenen Produkte und dürfen schließlich auch einen Blick in den Weinkeller werfen. Dort folgt eine spontane Verkostung von vier verschiedenen Weinen, die bereits einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Tage im Chianti liefern. (Welche Produkte genau verkostet werden, hängt von der Saison und dem Produktionszeitpunkt ab.)
Das eigentliche Highlight wartet jedoch beim Mittagessen.
Unter schattigen Feigenbäumen sitzen wir an einem langen Holztisch, eingedeckt mit rot-weiß karierten Tischdecken, liebevoll arrangiertem Geschirr sowie den hofeigenen Erzeugnissen. Hier genießen wir ein Drei-Gänge-Menü (optional für uns in vegetarischer Variante) mit Bruschetta, würzigen Spaghetti, Rosmarinkartoffeln, frischen Salaten und einer Gemüse-Frittata. Dazu werden verschiedene Weine und Olivenöle gereicht, zum Abschluss gibt es süßen Feigenkuchen und einen Espresso.

Es ist eines dieser Essen, bei denen man völlig vergisst, wie spät es eigentlich ist. Wie in Italien üblich beginnt alles mit einem Aperitif, danach folgt Gang um Gang. Man isst, erzählt, probiert, genießt – und plötzlich sind fast vier Stunden vergangen. Typisch italienischer Alltag würde ich sagen: entschleunigt, herzlich und ohne jede Eile. Wir werden dabei von den Köchen und Mitarbeitern der Fattoria regelrecht verwöhnt.
Nach dem ausgiebigen Mittagessen schlendern wir noch durch den Hofladen, decken uns mit ein paar Leckereien ein und setzen anschließend unsere Reise fort.
Je weiter wir in den Chianti hineinfahren, desto mehr verändert sich die Landschaft. Die Straßen werden kurviger und deutlich steiler als rund um Lucca, bleiben aber jederzeit gut fahrbar. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich unser neues Zuhause: das Airbnb La Casina in Radda in Chianti.

Erschöpft, kugelrund gegessen, aber glücklich.
Erlebnis: Fattoria La Vialla
🚜 Hofbesichtigung: 4/5
🍷 Weinverkostung: 5/5
🍝 Kulinarik: 5/5
🌿 Atmosphäre: 5/5
💰 Preis-Leistung: 5/5
Mein Fazit:
Wer die Toskana nicht nur sehen, sondern wirklich erleben möchte, sollte die Fattoria La Vialla unbedingt besuchen. Die Kombination aus Hofführung, Weinverkostung und Mittagessen macht den Besuch zu einem echten Gesamterlebnis.

Besonders gefallen hat mir, dass hier alles sehr authentisch wirkt. Statt einer auf Touristen zugeschnittenen Show erlebt man einen lebendigen Betrieb, in dem tatsächlich produziert, gearbeitet und gelebt wird.
Die Fattoria kannten wir vorher nur aus Bildern und aus dem Internet – umso schöner war es, das Ganze einmal mit eigenen Augen zu sehen und mitten drin zu sein.
Unterkunft: La Casina
🏠 Lage: 5/5
🛏️ Komfort: 5/5
💰 Preis-Leistung: 5/5
✨ Chianti-Flair: 5/5
Mein Fazit:
Ein absoluter Volltreffer.
Ein altes Steinhaus, umgeben von Weinbergen und Zypressen, ruhig gelegen in einem verschlafenen Bergdorf. Innen überraschend großzügig geschnitten und mit diesem typisch rustikalen, aber gemütlichen Innenleben, das man sich für die Toskana wünscht.

Besonders angenehm: Das Haus bleibt trotz Sommerhitze erfrischend kühl, da die Steinmauern gut isolieren. Es gibt eine große Küche, einen Kamin und viel Platz zum Ankommen und Runterkommen.
Mein persönliches Highlight ist die Terrasse mit Blick auf die umliegende Landschaft. Einfach dastehen, schauen, nichts tun – genau dafür ist dieser Ort gemacht.
Die Zufahrt ist etwas steil und braucht beim ersten Mal ein bisschen Mut, aber das gehört hier irgendwie dazu.
Ort: Radda in Chianti
❤️ Atmosphäre: 5/5
🍷 Toskana-Flair: 5/5
🚶 Erkundbarkeit: 3/5
📸 Schönheitsfaktor: 5/5
Mein Fazit:
Radda ist wunderschön – klein, ruhig und genau so, wie man sich ein mittelalterliches Dorf in der Toskana vorstellt. Der Ort liegt erhöht und bietet dadurch immer wieder weite Blicke über die umliegenden Hügel. Besonders am Abend, wenn die Sonne hinter den Zypressen verschwindet, entsteht eine fast schon romantische Stimmung, die schwer zu beschreiben ist.

Die Gassen sind eng, verwinkelt und voller kleiner Details. Trotz der überschaubaren Größe gibt es mehrere Restaurants und kleine Lokale, die sehr einladend wirken.
Radda hat keinen „großen Trubel“, sondern genau die richtige Mischung aus Ruhe, Charme und italienischem Lebensgefühl. Es wirkt schnuckelig, ohne kitschig zu sein – und genau das macht es so besonders.
Florenz, serviert mit Espresso und Affogato
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker bereits um 6:30 Uhr. Für einen Urlaubstag eigentlich viel zu früh, doch heute steht ein besonderes Ziel auf dem Programm.
Da ich mit einem echten Kaffeeliebhaber unterwegs bin, beginnt unser Florenz-Ausflug nicht mit Kirchen oder Museen, sondern mit, wie sollte es anders sein, Kaffee.
Genauer gesagt mit einer Führung in der Accademia del Caffè Espresso. Die moderne Erlebniswelt des renommierten Herstellers La Marzocco widmet sich vollständig der Geschichte, Herkunft und Kultur des Kaffees. Während der Führung schlendern wir durch interaktive Ausstellungen, bestaunen historische Espressomaschinen und erfahren jede Menge über Anbau, Verarbeitung und Zubereitung. Meine Begleitung befindet sich spätestens nach wenigen Minuten im absoluten Kaffeehimmel.

Natürlich darf auch eine Verkostung nicht fehlen. Espresso und Cappuccino direkt aus den hochwertigen Maschinen zu probieren, gehört für uns zu den Highlights des Vormittags.