Danach geht es weiter nach Florenz – der Hauptstadt der Toskana. Als Zentrum des spätmittelalterlichen Handels und der Finanzwelt gehörte sie im 15. und 16. Jahrhundert zu den reichsten Städten Europas. Heute gilt Florenz als Wiege der Renaissance, als Stadt der Medici und als kulturelles Herz der Region – mit dem berühmten Dom, Michelangelos David und den Uffizien. Zunächst stellt sich uns eine der größten Herausforderungen des Tages: der verwirrende, dichte Großstadtverkehr und die Parkplatzsuche in der Innenstadt.
Irgendwann gelingt auch diese Mission und wir tauchen in das geschäftige Treiben der Altstadt ein. Zwischen engen Gassen, historischen Bauten und unzähligen Menschen gönnen wir uns zunächst ein Gelato mit Blick auf die Kathedrale – bevor wir eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten der Stadt besuchen.

Die Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella zählt zu den ältesten Apotheken Europas. Gegründet wurde sie bereits im Jahr 1221 durch Dominikanermönche, die hier Heilpflanzen kultivierten und daraus Heilmittel für die Klostergemeinschaft sowie die Krankenversorgung herstellten. Heute ist sie ein traditionsreiches italienisches Unternehmen im Bereich Parfümerie, Kosmetik und Kräuterprodukte – und gleichzeitig ein beeindruckender Ort zwischen Geschichte und Luxus.
Auch wenn ich etwas mehr von der ursprünglichen Apotheke erwartet hätte, bleibt der Besuch besonders – es ähnelt eher einem eleganten Parfümhaus mit historischem Hintergrund als einer klassischen Apotheke.
Wenig später wartet ein weiterer Genuss-Stopp. Die Affogato-Bar von Vivoli ist längst ein kleiner Social-Media-Hotspot geworden. Während ich das cremige Zusammenspiel aus Eis und Espresso genieße, bleibt mein Begleiter deutlich zurückhaltender in seiner Bewertung. Manchmal gehen die Meinungen eben auseinander.

Erlebnis: Accademia del Caffè Espresso
☕ Erlebniswert: 4/5
📚 Wissensvermittlung: 4,5/5
☕ Kaffeequalität: 5/5
💰 Preis-Leistung: 4/5
Mein Fazit:
Für Kaffeeliebhaber ist die Accademia ein absolutes Highlight. Aber auch alle, die Kaffee sonst eher nebenbei trinken, bekommen hier einen spannenden Einblick in Herkunft, Verarbeitung und Kultur des Getränks. Alles ist liebevoll gestaltet, modern umgesetzt und gleichzeitig sehr verständlich aufgebaut.
Sehenswürdigkeit: Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella
🏛️ Eindruck: 3/5
📸 Fotopotenzial: 3/5
✨ Besonderheit: 4/5
Mein Fazit:
Ein beeindruckender Ort, der Geschichte und Luxus verbindet. Allerdings hatte ich eher mit einer stärker erhaltenen „alten Apotheke“ gerechnet. Tatsächlich wirkt es heute mehr wie ein edles Parfüm- und Kosmetikgeschäft mit historischem Hintergrund. Trotzdem sehenswert – aber eher etwas für Interessierte als ein absolutes Muss in Florenz.
Genuss-Stopp: Vivoli Affogato Bar
🍨 Geschmack: 3,5/5
📸 Instagram-Faktor: 4/5
💰 Preis-Leistung: 2,5/5
Mein Fazit:
Geschmacklich war der Affogato wirklich gut – cremig, intensiv und klassisch italienisch. Allerdings steht das Erlebnis stark im Schatten des Hypes.
Die Warteschlange ist lang, es gibt keine Sitzplätze und man steht mitten in einer engen Gasse, während man versucht, den Affogato möglichst zu genießen. Dadurch geht viel vom eigentlichen Genuss verloren. Unterm Strich: lecker, aber deutlich überbewertet.
Am Abend kehren wir zurück nach Radda in Chianti und lassen den Tag in der Pizzeria Hot ausklingen.
Restaurant: Pizzeria Hot
🍝 Essen: 5/5
🍷 Atmosphäre: 3,5/5
💰 Preis-Leistung: 5/5
❤️ Würden wir wiederkommen? 5/5
Mein Fazit:
Der Name lässt zunächst nicht unbedingt Großes erwarten – das Essen überrascht dafür umso mehr.
Die Pizzeria wirkt von außen unscheinbar, fast ein wenig zufällig. Innen wird es schnell eng, und auch die Terrasse ist klein und dicht bestuhlt. Trotzdem hat der Abend genau den richtigen Charakter.
Kulinarisch gehört dieses Restaurant zu den absoluten Highlights der Reise. Die Bruschetta ist knusprig und frisch, der Espresso hervorragend, und die Trüffelpasta für mich eine echte Neuentdeckung.
Zum ersten Mal probiert – und sofort verliebt. Die intensive Trüffelnote, die frischen Zutaten und die perfekte Zubereitung machen dieses Gericht zu meinem der kulinarischen Höhepunkte der gesamten Reise.
Die Pizzeria Hot ist ein Ort, der zeigt, dass die besten Erlebnisse oft genau dort entstehen, wo man sie am wenigsten erwartet

Chianti im Glas – Weinverkostung in Volpaia
Unser letzter voller Urlaubstag beginnt überraschend entspannt.
Eigentlich hatten wir geplant, von Radda aus ins Nachbardorf Volpaia zu wandern. Die kleine Ortschaft gehört zu den schönsten Dörfern im Chianti und sollte das Ziel unserer heutigen Weinverkostung werden. Die Strecke hätte uns durch Weinberge, Zypressenalleen und sanfte Hügellandschaften geführt – zumindest war das der Plan.
Doch unsere Wanderapp hat an diesem Morgen offenbar eigene Ideen. Mehrfach stehen wir vor Wegen, die entweder nicht mehr begehbar oder privates Gelände sind. Irgendwann geben wir leicht genervt auf, kehren zum Airbnb zurück und steigen stattdessen einmal frisch gemacht ins Auto.
Im Nachhinein war das die deutlich bessere Entscheidung, als verschwitzt in Volpaia anzukommen. Denn schon bei der Ankunft zeigt sich das kleine Dorf von seiner schönsten Seite. Volpaia zählt gerade einmal rund 30 Einwohner. Ein Großteil davon arbeitet direkt oder indirekt für das berühmte Weingut des Ortes.

Zwischen den historischen Natursteinhäusern verlaufen unterirdische Tunnel und Leitungen, über die der Wein zwischen den einzelnen Gebäuden transportiert wird. Das gesamte Dorf wirkt dadurch wie eine Mischung aus mittelalterlicher Siedlung und modernem Weinkeller.
Genau hier verbringen wir den Nachmittag bei einer Weinverkostung, die zu den schönsten Erlebnissen unserer gesamten Reise zählt. Nach einer kurzen Führung durch die Weinkeller und das Dorf nehmen wir in einem hellen Raum an einem langen Tisch Platz.
Vor uns ein hölzernes Brett mit sorgfältig arrangierten Weingläsern. Alles wirkt schlicht, aber mit viel Liebe zum Detail vorbereitet.

Unser Guide stellt uns vier Weine vor und erzählt zu jedem etwas über die Herkunft, den Charakter und die Herstellung.
Danach wird verkostet, gefragt, diskutiert oder einfach genossen. Es ist ein sehr entspanntes, fast familiäres Erlebnis, bei dem man sich schnell willkommen fühlt.

Der große Star für mich ist dabei überraschenderweise keiner der Rotweine. Es ist der Vin Santo. Süß, intensiv und typisch toskanisch. Spätestens nach dem ersten Glas ist klar, dass davon eine Flasche mit nach Hause kommt.
