Nach unserer Nacht in Pietermaritzburg verlassen wir am Morgen die Stadt und lassen die Zäune, Tore und die spürbare Anspannung langsam hinter uns. Vor uns liegt eine der eindrucksvollsten Landschaften Südafrikas: die Drakensberge. Nachdem wir vor wenigen Tagen schon die Panoramaroute erkundet haben, geht es nun direkt hinein in die Berglandschaft.
Schon der erste Stopp zeigt schnell, welche Vielfalt uns an diesem Tag noch erwarten wird. Die Howick Falls stürzen mit enormer Kraft rund 95 Meter in die Tiefe. Der Zugang ist allerdings stark eingeschränkt. Als Besucher kommt man hier nur bis zu den ausgewiesenen Aussichtspunkten.

Der Grund dafür ist ernst: Das Gebiet ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt, unter anderem weil es in der Vergangenheit immer wieder zu tragischen Vorfällen gekommen ist. Entsprechende Hinweisschilder machen deutlich, dass der Wasserfall nicht nur ein Naturdenkmal, sondern auch ein sensibler Ort ist. Dadurch bleibt uns nur der Blick aus der Ferne – kein unmittelbares Erleben direkt am Wasser, sondern eine Beobachtung von oben.
Auf der Weiterfahrt verändert sich die Landschaft spürbar. Je weiter wir Richtung Drakensberge fahren, desto grüner, bergiger und ruhiger wird es. Die Straße führt durch eine Kulisse, die irgendwo zwischen Alpenregion und afrikanischem Märchen liegt. Massive Felsformationen tauchen am Horizont auf, und immer wieder setzen die Jacaranda-Bäume kleine violette Farbakzente in die Landschaft.

Willkommen in den Bergen
Unser Ziel für die nächsten Nächte: das aha Alpine Heath Resort – versteckt zwischen den gewaltigen Gipfeln der Drakensberge.
Schon bei der Ankunft wird klar, dass das hier kein gewöhnliches Hotel ist. Keine große Lobby, keine langen Flure, kein typischer Hotelkomplex. Stattdessen wirkt die Anlage wie ein kleines Bergdorf, das sich sanft in die Landschaft schmiegt.
Zwischen grünen Hügeln und den markanten Felswänden der Drakensberge liegen überall einzelne Chalets verstreut, verbunden durch schmale Kieswege, über die man langsam vorbei an Gärten, Bäumen und kleinen Aussichtspunkten läuft. Unser Chalet erinnert von außen fast an ein gemütliches Alpenhaus – mit steilem Dach, hellen Wänden, dunklen Holzelementen und einer kleinen Veranda mit Blick auf die Berge. Gerade im weichen Nachmittagslicht wirkt alles unglaublich ruhig und entschleunigt.
Innen fühlt es sich sofort warm und heimelig an. Viel Holz, eine gemütliche Sitzecke, ein Kamin, große Fenster und eine kleine Küche verleihen dem Chalet eher das Gefühl eines Ferienhauses als eines Hotelzimmers. Dazu kommen mehrere Schlafzimmer und überall dieser Blick hinaus auf die grüne Weite der Drakensberge.
Über die gesamte Anlage verteilt befinden sich Restaurants, ein kleiner Spa-Bereich, Pools, eine Kapelle und unzählige Freizeitmöglichkeiten. Wanderwege starten direkt vor der Tür, dazu kommen Reitausflüge, Quad-Touren und verschiedene Aktivitäten mitten in der Natur.

Und während wir langsam über die Wege der Anlage laufen, wird uns ziemlich schnell klar: Das hier ist einer der eindrücklichsten Orte unserer gesamten Reise.
Doch lange bleibt keine Zeit, um einfach nur anzukommen. Denn kaum haben wir unsere Taschen abgestellt, zieht es mich direkt weiter zu den nahegelegenen Pferdeställen der Anlage.
Freiheit auf vier Hufen
Als ich an den Ställen ankomme, werden die Pferde gerade gesattelt. Etwas abseits steht ein weißer Schimmel, der neugierig auf mich zukommt. Ich bleibe kurz bei ihm stehen und streiche über seinen Hals – ohne zu ahnen, dass ich wenig später selbst auf ihm im Sattel sitzen werde. Zunächst wirkt es nämlich so, als wären bereits alle Pferde verteilt. Doch kurz darauf wird auch mein Pferd vorbereitet: Dodi.

Die Reitpferde der Anlage sind sogenannte Nooitgedacht-Ponys – eine südafrikanische Kleinpferderasse, die aus robusten Basotho- Ponys hervorgegangen und später mit arabischen Vollblütern veredelt wurde. Genau diese Mischung merkt man sofort: aufmerksam, wach und gleichzeitig unglaublich ausdauernd. Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass Dodi kein Pferd ist, das einfach nur hinterherläuft. Er hat Energie, Tempo und seinen eigenen Kopf. Trotzdem finden wir schnell unseren Rhythmus und lösen uns immer wieder leicht von der Gruppe, um seitlich durch die Landschaft zu reiten.
Die Strecke führt direkt vom Resort hinaus in die offene Weite der Drakensberge – über schmale Wege, durch kleine Wasserläufe und vorbei an grünen Hügeln, die sich zwischen den Bergen ziehen.

Die Umgebung verändert sich ständig, während über allem die gewaltigen Felswände der Drakensberge aufragen. Mit bis zu 3.482 Metern zählen sie zu den höchsten Gebirgen im südlichen Afrika. Die Zulu nennen sie uKhahlamba – die „Wand der aufgestellten Speere“. Sobald man die steilen Formationen sieht, versteht man sofort warum.

Am Ende des Ausritts werden die Pferde gemeinsam zurück zur Koppel gebracht. Ohne Sattel und ohne Zügel laufen sie ruhig neben uns her über das Gelände – ein stiller, unkomplizierter Abschluss nach einigen Stunden mitten in dieser eindrucksvollen Landschaft.
Beim Sonnenuntergang zeigt sich die Lage der Unterkunft noch einmal besonders deutlich: Die Sonne verschwindet hinter den Bergen, während auf der anderen Seite bereits der Mond aufgeht.
