Beim Abendessen wartet ein reichhaltiges Buffet, dazu ein Glas Rotwein. Anschließend sitzen wir noch eine Weile draußen zusammen, bevor wir müde ins Bett gehen.
Auf den Spuren der San
Am nächsten Morgen geht es weiter in den Royal Natal Nationalpark bei Bergville- einem Teil des UNESCO-geschützten uKhahlamba-Drakensberg Parks nahe der Grenze zu Lesotho.
Schon auf der Fahrt verändert sich die Landschaft abermals. Die Straßen ziehen sich durch offene Grasflächen, vorbei an Tälern und den gewaltigen Bergketten der Drakensberge. Der Park selbst wurde bereits 1916 gegründet und gehört zu den eindrucksvollsten Naturregionen Südafrikas. Zwischen den Hängen leben Buschböcke, Paviane, Klippschliefer und sogar Otter – eine erstaunliche Vielfalt für eine so raue Berglandschaft.

Unser erster Stopp führt uns jedoch nicht zu einem Aussichtspunkt, sondern zu einem der kulturell bedeutendsten Orte der Region: den Felszeichnungen des San-Volkes.
Die San zählen zu den ältesten bekannten Bevölkerungsgruppen des südlichen Afrikas und lebten vermutlich schon von 10.000 bis 25.000 Jahren in dieser Gegend. In den Drakensbergen hinterließen sie rund 35.000 Felsmalereien an hunderten verschiedenen Fundstellen – eine der größten Sammlungen prähistorischer Kunst weltweit.
Die Felszeichnungen zeigen Jagdszenen, Tiere wie Antilopen und Elefanten sowie Menschen, spirituelle Symbole und teilweise auch Mischwesen aus Mensch und Tier. Besonders beeindruckend ist, wie gut viele der Malereien bis heute erhalten geblieben sind. Die Farben entstanden aus natürlichen Materialien wie Ocker, zerstoßenem Stein, Holzkohle, Pflanzenstoffen und tierischen Fetten.

Während wir vor den Felswänden stehen, wirkt alles plötzlich erstaunlich still. Fast unwirklich, dass diese Zeichnungen seit tausenden Jahren hier verborgen zwischen den Bergen existieren.
Viele der Fundorte sind heute nur noch im Rahmen geführter Besuche möglich, nachdem es in der Vergangenheit immer wieder zu Beschädigungen und Vandalismus gekommen ist.
Flachlandantilope in den Bergen
Nach diesem kulturellen Zwischenstopp kündigt unser Guide einen „kleinen Spaziergang“ an. Gemeint sind am Ende 6,7 Kilometer und rund 320 Höhenmeter.
Der Weg führt stetig bergauf durch grüne Wiesen und offene Hänge. Zwischen hohen Gräsern wachsen immer wieder wilde Proteas – Südafrikas Nationalblume -während sich die Landschaft mit jedem Abschnitt leicht verändert. Mal offen und weitläufig, dann wieder schmaler und steiniger.

Irgendwann hören wir das Rauschen des Wassers, bevor wir es sehen. Kurz darauf erreichen wir die Tiger Falls.
Der Wasserfall bleibt hier nicht einfach nur ein Aussichtspunkt in der Ferne. Stattdessen balancieren wir über Steine, waten durch einen flachen Bach und stehen schließlich direkt davor. Das Wasser rauscht sanft zwischen den Felsen hinab. Wer möchte, kann sogar in die schmalen Felsspalten unterhalb des Wasserfalls klettern – genau das Richtige für eine perfekte Abkühlung auf halber Strecke der Wanderung.

Zwischendurch entsteht direkt am Wasser ein kleines Picknick. Zwischen Rucksäcken und nassen Schuhen sitzen wir verteilt auf den Felsen, holen Bananen und Cracker hervor und essen, während der Wasserfall neben uns ununterbrochen in die Tiefe rauscht. Der Rückweg führt durch dichte Buschlandschaft, vorbei an weiteren Wasserfällen, die in der Ferne zwischen den Hängen hervorblitzen.

Kurz vor Ende der Wanderung wartet dann noch ein letzter, ziemlich südafrikanischer Programmpunkt auf uns: Eine Kuhherde blockiert den gesamten Weg. Also bleiben wir einfach stehen, warten, bis die Tiere langsam weiterziehen, und laufen erst dann weiter – irgendwo zwischen Wanderung und Safari.
Ein letzter Abend in den Bergen
Zurück im Resort spüren wir die Wanderung in jedem Schritt. Die Beine sind schwer, der Körper müde, aber angenehm erfüllt von diesem langen Tag in den Drakensbergen. Erst bleibt kurz Zeit, um anzukommen und durchzuatmen, bevor es weiter ins Spa geht. Eine Massage nach der Tour wirkt hier weniger wie Luxus und mehr wie eine logische Fortsetzung des Tages – um die Anspannung aus den Muskeln zu lösen und wieder in einen ruhigeren Rhythmus zu finden. Vor uns liegt der kleine Teich des Resorts, in dessen Oberfläche sich der Himmel spiegelt. Die Sonne sinkt langsam hinter den Bergen.
Später sitzen wir noch in gemütlicher Runde beisammen. Ein ruhiger Abschluss eines sehr intensiven Tages.
