Gesamturteil:
Pisa war für mich leider der größte Flop der Reise. Fairerweise lag das nicht nur an der Stadt selbst, sondern auch an den Rahmenbedingungen. Die extreme Hitze, die Menschenmassen und der Umstand, dass wir an einem Sonntag dort waren und viele Geschäfte geschlossen hatten, haben den Eindruck sicherlich negativ beeinflusst. Abseits der berühmten Piazza wirkte die Stadt auf mich eher unscheinbar. Der Bereich entlang des Arno ist durchaus hübsch, konnte mich aber nicht nachhaltig begeistern. Dazu kam, dass es aufgrund der vielen Besucher kaum möglich war, wirklich schöne Fotos vom Schiefen Turm zu machen. Ich bin froh, den berühmten Platz einmal gesehen zu haben. Rückblickend hätten uns die Bilder allerdings vermutlich fast genauso gereicht.
Nach diesem eher ernüchternden Tag folgt am Abend glücklicherweise ein weiteres kulinarisches Highlight auf unserer Reise.
Restaurant: Osteria Parlascio
🍝 Essen: 5/5
🍷 Atmosphäre: 4/5
💰 Preis-Leistung: 5/5
Mein Fazit:
Die Osteria Parlascio liegt mitten auf der Piazza dell’Anfiteatro, einem der schönsten Plätze Luccas. Rings um den historischen Platz reihen sich Restaurants, kleine Bars und Außenterrassen aneinander. Überall sitzen Menschen, unterhalten sich, lachen und genießen den Abend. Obwohl es gut besucht ist, zaubert uns das Personal kurzerhand noch einen Tisch zwischen die bestehenden Plätze. Freundlich, unkompliziert und typisch italienisch.
Kulinarisch beginnt hier für uns die große Liebe zur toskanischen Küche. Die Bruschetta wird auf schweren Steinplatten serviert, die Ravioli sind typisch hausgemacht und bestätigen endgültig, dass selbstgemachte Pasta in der Toskana in einer eigenen Liga spielen. Dazu kommen fantastische Desserts, wie ein cremiges Tiramisu und Cantucci mit Vin Santo.

Falls ihr zum ersten Mal in der Toskana seid: Probiert unbedingt die Cantucci mit Vin Santo. Die knusprigen Mandelkekse werden traditionell in den süßen Dessertwein getunkt und sind für mich eines der typischsten Geschmackserlebnisse der Region.
Dieses Restaurant war nicht nur eines der besten Essen unseres bisherigen Urlaubs, sondern auch der Moment, in dem wir verstanden haben, warum die Toskana für viele Genießer ein absolutes Traumziel ist.
Türkisblaues Wasser und ein Glas Merlot
Am nächsten Morgen decken wir uns zunächst mit ausreichend Proviant für ein kleines Picknick ein und fahren anschließend nach Lombrici, einem kleinen Ortsteil von Camaiore in den grünen Hügeln der Toskana.
Schon der Startpunkt der Wanderung begeistert uns. Enge Gassen schlängeln sich zwischen alten Häusern hindurch, gelbe Fassaden leuchten in der Sonne und überall wachsen Blumen aus Fenstern, Mauern und Hauseingängen. Zur Mittagszeit dringt Stimmengewirr aus den geöffneten Fenstern. Familien sitzen beim Essen zusammen, Geschirr klappert, irgendwo läuft ein Fernseher. Es fühlt sich an, als würden wir einen kurzen Blick in den ganz normalen Alltag der Menschen hier werfen.

Touristen begegnen uns hier kaum. Stattdessen herrscht eine Ruhe, die sofort entschleunigt. Von hier aus folgen wir dem Torrente Lombricese, einem kleinen Fluss, der sich durch die bewaldete Landschaft schlängelt. Der Weg führt vorbei an natürlichen Badebecken, kleinen Wasserfällen und dichtem Grün. Immer wieder hören wir das Rauschen des Wassers, während wir entlang des Flusses wandern. Unterwegs passieren wir sogar die Überreste einer alten Ruine, die sich zwischen den Bäumen versteckt.
Diese Wanderung lebt nicht von spektakulären Höhenmetern oder großen Gipfeln. Sie lebt von ihrer Atmosphäre. Hier sollte man sich Zeit nehmen, viele Pausen einlegen, dem Wasser lauschen und einfach genießen, wie ruhig die Welt plötzlich werden kann. Irgendwann kann ich der Versuchung nicht mehr widerstehen. Nachdem wir unsere Füße bereits in einem flachen Abschnitt abgekühlt haben, springe ich schließlich selbst in eines der Wasserbecken. Das Wasser ist eisig kalt.
Nach der Hitze des Tages fühlt sich der Sprung in das glasklare, türkisblau schimmernde Wasser wie die beste Entscheidung des gesamten Tages an. Umgeben von kleinen Wasserfällen und dichter Natur wird daraus eines dieser Urlaubserlebnisse, an die man sich noch lange erinnert.

Erlebnis: Wasserfallwanderung Lombrici
🥾 Wandererlebnis: 5/5
🌿 Natur: 5/5
🏊 Abkühlungsfaktor: 5/5
📸 Fotopotenzial: 5/5
Mein Highlight:
Mein persönliches Highlight war ganz klar der Sprung ins Wasserfallbecken. Nach einem heißen Junitag in das eiskalte, glasklare und türkisfarbene Wasser einzutauchen, war einfach unbeschreiblich. Und natürlich die Ruhe. Während viele Sehenswürdigkeiten der Toskana im Sommer gut besucht sind, hatten wir hier oft das Gefühl, die Natur fast für uns allein zu haben. Die schattigen Wege, die vielen kleinen Wasserfälle, die natürlichen Badebecken und das ständige Rauschen des Wassers schaffen eine unglaublich entspannte Atmosphäre.
Am Abend lassen wir den Tag bei einem besonderen Essen ausklingen. Schließlich gibt es etwas zu feiern: Ich werde 30 Jahre alt.
Restaurant: Trattoria da Giulio
🍝 Essen: 5/5
🍷 Atmosphäre: 4,5/5
💰 Preis-Leistung: 4,5/5
❤️ Würden wir wiederkommen? 5/5
Mein Fazit:
Die Trattoria da Giulio war für uns genau die Art von Restaurant, die man sich in der Toskana wünscht. Schon von außen wirkt das Gebäude wie aus einem Bilderbuch. Natursteinwände, Rosenstöcke an der Fassade und eine Atmosphäre, die sofort Lust macht einzutreten. Innen erwartet uns eine stilvolle Einrichtung und ein Restaurant, das gut besucht ist, ohne seinen Charme zu verlieren.
Die Kellner sprechen nur wenig Englisch, was für uns überraschenderweise eher ein Pluspunkt war. Dadurch wirkt das Restaurant weniger wie ein Ort für Touristen und mehr wie ein Lokal, in dem tatsächlich die Menschen aus der Umgebung essen gehen. Kulinarisch gehört die Trattoria da Giulio zu den Highlights unserer Reise. Frische Zutaten, hervorragende Zubereitung und Gerichte, die zeigen, warum die italienische Küche weltweit so beliebt ist. Außerdem entdecke ich hier meine Liebe zum Merlotwein.

Trotz des lebhaften Betriebs bleibt die Atmosphäre angenehm und authentisch. Für ein Geburtstagsessen hätten wir uns kaum einen passenderen Ort wünschen können.
Fazit des ersten Abschnitts meiner Toskana-Reise
Die ersten Tage unserer Reise hatten Höhen und Tiefen – und genau deshalb sind sie mir so positiv in Erinnerung geblieben.
Vor der Reise hatte ich vor allem Bilder von Weinbergen, Zypressenalleen und dem Chianti-Gebiet im Kopf. Stattdessen erleben wir zunächst eine ganz andere Seite der Toskana: ursprünglicher, historischer und überraschend vielfältig.
Der große Gewinner dieser ersten Etappe ist für mich ganz klar Lucca.
Die Stadt vereint alles, was ich mir von Italien erhofft hatte: verwinkelte Gassen, beeindruckende Architektur, großartiges Essen, entspannte Atmosphäre und gleichzeitig genügend Möglichkeiten für Ausflüge in die Umgebung. Mit den Bergen im Hintergrund, der wunderschönen Altstadt und der berühmten Stadtmauer hat Lucca mich mehr begeistert als jede andere Stadt dieser ersten Reisetage.
Pisa war dagegen eher eine Enttäuschung. Vielleicht hatte ich einfach zu hohe Erwartungen, vielleicht lag es an der Hitze und den Menschenmassen. Schön, den Schiefen Turm einmal gesehen zu haben – mehr brauche ich persönlich aber nicht.
Viareggio hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Die Promenade ist hübsch und die Stadt besitzt zweifellos ihren Charme. Trotzdem hätte ich den Tag vermutlich anders in Erinnerung behalten, wenn wir unkompliziert Zugang zum Strand gefunden hätte. Ein Sprung ins Meer wäre bei den Temperaturen genau das Richtige gewesen.
Dafür entschädigen mich die Naturerlebnisse rund um Camaiore umso mehr. Die Wasserfallwanderung gehört für mich schon jetzt zu den schönsten Erlebnissen der gesamten Reise.
Auch das Autofahren in dieser Region hat mich positiv überrascht. Wer aus dem Flachland kommt und sich vor italienischen Straßen fürchtet, kann beruhigt sein. Die mautpflichtigen Autobahnen sind breit ausgebaut, angenehm zu fahren und meist wenig steil. Das System ist denkbar einfach: Beim Auffahren zieht man ein Ticket, beim Verlassen bezahlt man den entsprechenden Betrag. Meist lagen die Kosten nur zwischen wenigen Cent und einigen Euro.
Mein Tipp für alle, die diese Region besuchen möchten:
Nehmt euch Zeit für Lucca.
Nicht nur für die Sehenswürdigkeiten, sondern für das Lebensgefühl. Schlendert durch die Gassen, setzt euch auf einen Platz, bestellt einen Espresso oder ein Glas Wein und lasst die Seele baumeln. Die schönsten Momente entstehen hier oft nicht bei den großen Attraktionen, sondern in den kleinen Augenblicken dazwischen.
Genau darin liegt für mich der Zauber dieser Ecke der Toskana.
