Ein Roadtrip auf Südafrikas bekanntester Weinstraße

Der letzte große Hotelwechsel dieser Reise steht an. Wir verlassen Oudtshoorn am frühen Morgen und fahren hinein in eine Landschaft, die plötzlich wieder komplett anders aussieht. Vor uns liegt die berühmte Route 62 – eine der bekanntesten Roadtrip-Strecken Südafrikas und mit rund 850 Kilometern gleichzeitig eine der längsten Weinstraßen der Welt.

Die Straße führt quer durch die Kleine Karoo, vorbei an trockenen Ebenen, Bergen, vereinzelten Farmen und kleinen Orten, die wirken, als hätte man sie irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart vergessen. Immer wieder erinnert mich die Strecke an die legendäre Route 66 in den USA. Nicht wegen Diners oder Neonlichtern, sondern wegen dieses Gefühls von Weite, Freiheit und endloser Straße.

Im Bus ist die Stimmung entsprechend entspannt. Einen kurzen Fotostopp legen wir am Huis River Pass ein. Die Passstraße windet sich durch die Berge der Kleinen Karoo und erreicht auf ihrem höchsten Punkt rund 655 Meter. Unter uns ziehen sich trockene Täler durch die Landschaft, darüber flimmert die Hitze in der Ferne. Genau diese Strecke macht die Route 62 so besonders – sie ist weniger spektakulär im klassischen Sinn, aber genau deshalb unglaublich atmosphärisch.

Ein paar Stunden später erreichen wir das Robertson Valley und damit das Weingut Van Loveren. Schon bei der Einfahrt wirkt die Anlage eher wie ein riesiger gepflegter Garten als wie ein klassisches Weingut. Weiße Gebäude liegen zwischen alten Bäumen, ruhigen Innenhöfen und Weinreben, dahinter ziehen sich Berge durch die Landschaft.

Das familiengeführte Weingut existiert bereits seit 1937 und zählt heute zu den bekanntesten Weingütern Südafrikas. Ursprünglich hieß die Farm allerdings „Goudmyn F“ – also „Goldmine F“.

Der Name war der Familie Retief irgendwann allerdings zu unheimlich, weil das „F“ angeblich auch für „fools and failures“ stehen könnte.

Also wurde die Farm kurzerhand umbenannt – nach Christina van Loveren, einer niederländischen Vorfahrin der Familie, die bereits Ende des 17. Jahrhunderts nach Südafrika kam.

Während des Tastings probieren wir uns durch die verschiedenen Weine des Hauses. Die Weine überzeugen definitiv mehr als die erstaunlich sachliche Atmosphäre der Verkostung selbst. Am Ende wandert ein Weißwein mit in meinen Koffer – vermutlich auch, weil man sich nach mehreren Reisetagen langsam einredet, Weinflaschen seien ein völlig vernünftiges Souvenir.

Erster Blick auf Kapstadt vom Signal Hill

Je näher wir Kapstadt kommen, desto häufiger taucht die Silhouette des Tafelbergmassivs zwischen den Straßen und Häusern auf. Und obwohl man ihn vorher schon tausendmal auf Bildern gesehen hat, wirkt dieser erste echte Blick trotzdem irgendwie unwirklich.

Kapstadt selbst zählt zu den ältesten Städten Südafrikas. Gegründet wurde sie 1652 vom Niederländer Jan van Riebeeck als Versorgungsstation für Handelsschiffe auf dem Weg nach Indien. Später wurde die Stadt britisch, erlebte die Zeit der Apartheid und wurde schließlich zu einem der wichtigsten Orte des politischen Wandels in Südafrika. 1990 hielt Nelson Mandela hier, nur wenige Stunden nach seiner Freilassung, seine erste öffentliche Rede seit Jahrzehnten.

Für uns geht es allerdings erstmal direkt hinauf auf den Signal Hill. Die Straße windet sich steil den Berg hinauf, während Kapstadt unter uns immer kleiner wird. Oben angekommen liegt plötzlich die ganze Stadt zu unseren Füßen: der Tafelberg mit seiner markanten flachen Silhouette, Lion’s Head, die Tafelbucht und der endlose Atlantik.

Dann schiebt sich langsam Nebel über die Berge. Innerhalb weniger Minuten verschwinden Teile der Stadt komplett unter Wolken, während die letzten Sonnenstrahlen die Hänge orange färben. Paraglider springen neben uns in den Abendhimmel und gleiten lautlos über Kapstadt hinweg. Es ist einer dieser Momente, in denen plötzlich klar wird, warum so viele Menschen von dieser Stadt schwärmen.

Beim Herunterfahren verschluckt uns der Nebel schließlich komplett. Am Abend endet der Tag im Scala, einer italienischen Restaurantkette. Es gibt Pasta, Wein und ein Tiramisu, das vermutlich zu den besseren Entscheidungen dieser Reise gehört. Ein letzter langer Roadtriptag, irgendwo zwischen Halbwüste, Weinbergen und der ersten großen Kapstadt-Gänsehaut.

Am Ende des Kontinents

Der letzte große gemeinsame Tag bricht an und irgendwie spüren wir es schon beim Einsteigen in den Bus:

Heute ist nicht einfach nur ein weiterer Ausflug. Es ist der Abschied von dieser Reise in ihrer ursprünglichen Form. Die Stimmung ist ruhig, fast ein bisschen weicher als sonst. Mehr Blick aus dem Fenster, weniger laute Gespräche. Vor uns liegt das große Finale dieser Reise: das Kap der Guten Hoffnung. Schon die Fahrt dorthin ist spektakulär. Die Kap-Halbinsel zeigt sich von ihrer rauen Seite – steile Klippen, tiefblaues Meer, Windböen, die gegen den Bus drücken, und diese typische Mischung aus Schönheit und Respekt vor der Natur.

Das Kap der Guten Hoffnung selbst liegt etwa 44 Kilometer südlich von Kapstadt und markiert den südwestlichsten Punkt Afrikas. Lange Zeit war dieser Ort berüchtigt unter Seefahrern. Starke Winde, tückische Strömungen und unsichtbare Untiefen machten ihn zu einer der gefährlichsten Passagen für Schiffe. Über zwei Dutzend Wracks liegen hier noch heute am Meeresgrund – stille Zeugnisse einer Route, die früher alles andere als „good hope“ war.

Heute wirkt der Ort weniger gefährlich, aber nicht weniger eindrucksvoll. Wir steigen aufs Fahrrad und fahren ein Stück durch diese offene, windgepeitschte Landschaft. Die Strecke führt vorbei an niedriger Vegetation, durch Protea-Büsche und über Wege, die sich immer wieder Richtung Ozean öffnen.

Der Wind ist stark, aber genau das macht die Kulisse so lebendig. Und dann tauchen sie plötzlich auf: wild lebende Strauße direkt am Strand.

Ein Bild, das man so vermutlich nur in Südafrika findet. Zwischen Sand, Felsen und Meer bewegen sich die Tiere, als hätten sie sich entschieden, dass genau das hier ihr natürlicher Lebensraum ist.

Am berühmten Kap-Schild angekommen, wird es für einen Moment still. Die ganze Gruppe steht dort, jeder macht Fotos, aber eigentlich schaut man einfach nur. Dieses Gefühl von Weite, von „ganz am Ende eines Kontinents“, ist schwer in Worte zu fassen. Nachdem wir den Scenic Walk bestiegen haben und das wilde Treiben der Natur von oben bestaunt haben, geht es weiter in Richtung Cape Point.

Der kurze Weg zum Leuchtturm hinauf führt direkt in eine Wolke Je höher wir steigen, desto dichter wird der Nebel. Oben angekommen ist die Sicht fast komplett verschwunden – nur Wind, Feuchtigkeit und das Gefühl, irgendwo zwischen Himmel und Ozean zu stehen. 

Auf dem Rückweg dann ein unerwarteter Moment: Paviane auf der Straße. Sie sitzen dort entspannt, blockieren den Weg und tun genau das, was Paviane offenbar am besten können – absolut entspannt Chaos verursachen.