Der Wecker klingelt früh, denn schon um 8 Uhr verlassen wir Akureyri und machen uns auf den Weg Richtung Húsavík. Vor uns liegt ein Tag voller Kontraste: tosende Wasserfälle, eine stürmische Bootstour auf dem Nordatlantik und am Abend ein Abenteuer tief unter der isländischen Erde.

Goðafoss – der Wasserfall der Götter

Unser erster Stopp lässt nicht lange auf sich warten. Auf halber Strecke zwischen Akureyri und Mývatn legen wir einen kurzen Zwischenstopp am Goðafoss ein. Der Wasserfall gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Norden Islands und beeindruckt vor allem durch seine geschwungene, hufeisenförmige Form. Auf einer Breite von etwa 30 Metern stürzen die türkisfarbenen Wassermassen tosend rund zwölf Meter in die Tiefe. Das klingt zunächst vielleicht nicht besonders hoch, doch die enorme Breite und die Kraft des Wassers machen den Goðafoss zu einem echten Hingucker. Bei Sonnenschein bilden sich im aufgewirbelten Wasser sogar kleine Regenbögen.

Auch sein Name ist spannend: Goðafoss bedeutet übersetzt so viel wie „Wasserfall der Götter“. Der Legende nach soll der Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði um das Jahr 1000, nachdem Island das Christentum als Staatsreligion angenommen hatte, heidnische Götterbilder in den Wasserfall geworfen haben. Ob sich die Geschichte genau so zugetragen hat, ist nicht sicher – sie verleiht diesem Ort aber eine besondere historische Bedeutung. Wir genießen den Anblick der donnernden Wassermassen, bevor es auch schon wieder weitergeht. In Húsavík erwartet uns schließlich schon unser Kutter. Und diesmal wollen wir nicht nur aufs Wasser schauen, sondern herausfinden, wer sich darin herumtreibt.

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Leinen los zum Whale Watching! Húsavík gilt als einer der bekanntesten Orte Islands für Walbeobachtungen. In der Skjálfandi-Bucht tummeln sich verschiedene Walarten, darunter Zwergwale und Buckelwale. Mit etwas Glück lässt sich sogar der größte Bewohner unserer Erde blicken: der Blauwal.

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Für unsere Tour gehen wir an Bord der Gardar, eines liebevoll restaurierten, traditionellen Eichenboots. Mit seinem Holzrumpf und dem gemütlichen Charme passt es wunderbar in den kleinen Hafen von Húsavík. Von hier aus geht es direkt auf den Nordatlantik.

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Allerdings meint es das Wetter heute nicht besonders gut mit uns. Die Wellen sind ordentlich hoch, es ist eisig kalt und der Wind pfeift uns um die Ohren. Die See zeigt sich von ihrer rauen Seite – und wir bekommen erst einmal eine ordentliche Portion Island-Wetter serviert. Ausgestattet werden wir mit dicken, warmen Overalls, über die wir zusätzlich knallorangefarbene Regenmäntel ziehen. Eingepackt wie kleine Michelin-Männchen machen wir es uns an Bord gemütlich. Zumindest versuchen wir es, denn bei dem starken Wellengang müssen wir uns gut festhalten und den Blick aufmerksam auf die Wasseroberfläche richten. Lange müssen wir gar nicht suchen. Schon nach etwa zehn Minuten turbulenter Fahrt entdecken wir den ersten Buckelwal – oder zumindest seine imposante Schwanzflosse. Was für ein Glück! Kurz darauf bekommen wir sogar drei Buckelwale zu Gesicht. Immer wieder tauchen die Tiere auf, stoßen Wasserfontänen aus und zeigen ihre großen Köpfe, wenn sie zum Luftholen an die Oberfläche kommen. Mit ihren mächtigen Schwanzflossen scheinen sie uns zum Abschied noch einmal zuzuwinken, bevor sie wieder in den Tiefen des Meeres verschwinden.

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Es ist faszinierend, diese riesigen Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Gleichzeitig merken wir ziemlich schnell, dass Whale Watching bei hohem Wellengang nicht unbedingt etwas für empfindliche Mägen ist. Bei aller Begeisterung für die Meeresriesen wird die Tour für manche von uns zu einer echten Herausforderung für den Magen.

Auf dem Rückweg gibt es zum Glück noch eine kleine Belohnung: warme Getränke und Zimtschnecken. Mit einem heißen Kakao in der Hand versuchen wir, uns wieder aufzuwärmen und den Wellengang langsam zu vergessen. Trotz der eisigen Temperaturen und der turbulenten Überfahrt ist die Tour für mich ein echtes Highlight. Buckelwale in freier Wildbahn zu beobachten, ist schließlich nichts, was man jeden Tag erlebt. Und dass wir gleich mehrere zu Gesicht bekommen, macht den Ausflug umso besonderer.

Aufwärmen mit Meerblick: GeoSea in Húsavík

Wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, fühlt sich nach drei Stunden auf dem schaukelnden Boot richtig gut an. Unser Gleichgewicht muss sich erst einmal wieder daran gewöhnen, dass der Boden nicht mehr unter uns schwankt. Dazu sind wir ordentlich durchgefroren.

Was könnte da besser passen als ein warmes Bad?

Unser nächstes Ziel ist das GeoSea, das Geothermalbad von Húsavík. Hier wird geothermisch erwärmtes Meerwasser genutzt, das mit etwa 38 bis 39 Grad genau die richtige Temperatur zum Entspannen hat. Die Geschichte des Bades reicht dabei weiter zurück, als man zunächst vermuten würde: Schon vor Jahrzehnten nutzten die Bewohner von Húsavík das warme Meerwasser zum Baden und Waschen. Nachdem bei Bohrungen heißes, mineralreiches Meerwasser entdeckt worden war, entstand zunächst eine einfache Badestelle. Daraus entwickelte sich schließlich das heutige Geothermalbad. Und das hat es wirklich in sich. Wir steigen ins angenehm warme Wasser und blicken hinaus auf das raue Meer. Durch die Lage direkt an der Küste entsteht fast der Eindruck eines Infinity-Pools, bei dem das Wasser nahtlos in den Nordatlantik übergeht.

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Draußen ist es kalt, das Meer zeigt sich grau und weit, während wir im warmen Wasser sitzen und die Aussicht genießen. Nach der stürmischen Bootstour ist das genau die richtige Erholung. Eben noch haben wir uns auf hoher See festgeklammert, jetzt lassen wir uns entspannt im warmen Wasser treiben. Ein bisschen Luxus darf schließlich auch auf einem Abenteuerurlaub sein.

Schuhe aus und ankommen am Mývatn

Nach unserer entspannten Pause am Meer setzen wir die Fahrt fort und machen uns auf den Weg zum Mývatn. Unsere Unterkunft für die Nacht ist das Elda Guesthouse.

Schon beim Betreten fällt uns etwas auf, das uns inzwischen bestens vertraut ist: Auch hier müssen die Schuhe im Eingangsbereich ausgezogen werden. Offenbar gehört das in Island vielerorts einfach dazu – selbst in manchen Cafés bleiben die Straßenschuhe draußen.

Mittlerweile haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir fast automatisch nach einem Platz für unsere Schuhe Ausschau halten. Island färbt eben ab!

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Nach dem Abendessen steht allerdings noch ein Programmpunkt an, der es in sich hat. Während einige von uns den Abend gemütlich ausklingen lassen, entscheiden sich die Mutigen für ein einzigartiges Abenteuer, das uns tief in die isländische Unterwelt führen wird.

Mit dem Superjeep durch Islands Mordor

Unser Ziel ist die Eishöhle Lofthellir, eine natürliche Permafrosthöhle in einem Lavatunnel nahe dem Mývatn. Doch bevor wir überhaupt einen Fuß in die Höhle setzen, wartet schon das erste Abenteuer auf uns: die Anfahrt. Unser Guide erwartet uns mit einem speziell umgebauten Superjeep, den er liebevoll „Ferdinand“ getauft hat. Mit diesem Gefährt rumpeln wir über holprige Pisten und durch ein weitläufiges Lavafeld. Die Landschaft wirkt dunkel, rau und beinahe unwirklich. Überall liegen scharfkantige Lavabrocken, dazwischen erhebt sich das zerklüftete Vulkangelände.

Wer „Der Herr der Ringe“ kennt, fühlt sich hier unweigerlich an Mordor erinnert. Es fehlt eigentlich nur noch, dass hinter dem nächsten Felsen ein Ork hervorspringt. Wobei wir bei diesem Gelände vermutlich nicht einmal besonders überrascht wären. Nach der holprigen Fahrt steigen wir aus und wandern über das unebene Lavagelände bis zum Eingang der Höhle. Die Strecke ist zwar nicht besonders lang, doch auf dem steinigen Untergrund ist Konzentration gefragt. Hier geht es weniger um einen gemütlichen Spaziergang als um den Auftakt zu einem echten Abenteuer. Jeder Schritt will gut gesetzt sein, denn zwischen den Lavabrocken lässt es sich nicht gerade elegant dahinschlendern. Am Eingang angekommen, legen wir unsere Ausrüstung an: Helm, Stirnlampe und robuste Stiefel mit Spikes, die uns auf dem eisigen Untergrund Halt geben sollen. Spätestens jetzt fühlen wir uns eher wie Höhlenforscher als wie gewöhnliche Islandtouristen. Dann beginnt der Abstieg.

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Tief unter der Erde: Willkommen in der Lofthellir

Der Einstieg in die Höhle ist alles andere als bequem. Über eine Metalltreppe geht es zunächst etwa fünf Meter abwärts. Unten angekommen, wartet eine schmale Öffnung auf uns, durch die wir uns in die Höhle hineinkämpfen müssen. Zu Beginn heißt es: auf allen vieren kriechen und bloß nicht den Kopf vergessen – dafür haben wir schließlich unsere Helme auf. Spätestens hier wird klar: Diese Tour ist nichts für Menschen, die sich in engen Räumen unwohl fühlen. Ein bisschen Beweglichkeit und die Bereitschaft, sich auf das Abenteuer einzulassen, sollte man mitbringen. Wer gehofft hat, einfach gemütlich in eine Eishöhle hineinzuspazieren, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt.

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Doch sobald wir die enge Eingangspassage hinter uns gelassen haben, öffnet sich vor uns eine faszinierende Eiswelt. Die Lofthellir ist keine gewöhnliche Eishöhle, wie man sie vielleicht aus Gletschergebieten kennt. Sie befindet sich in einem Lavatunnel, der durch frühere vulkanische Aktivität entstanden ist. Im Inneren herrschen ganzjährig Temperaturen um den Gefrierpunkt, wodurch sich über lange Zeit beeindruckende Eisformationen bilden konnten. Im schwachen Licht unserer Stirnlampen entdecken wir Stalagmiten, Stalaktiten und bizarre Eissäulen, die aus dem Boden wachsen oder von der Decke hängen. Manche Formationen wirken fast wie kunstvolle Skulpturen, andere erinnern an gefrorene Wasserfälle. Je nachdem, wie das Licht auf das Eis fällt, schimmert es kristallklar, weiß oder in unterschiedlichen Blautönen.

Der Boden ist uneben und besteht aus einer Mischung aus Eis und Vulkangestein. Jeder Schritt will gut überlegt sein, während wir uns langsam durch die Dunkelheit bewegen. Hier ist also nicht nur Staunen, sondern auch ein wenig Geschick gefragt.

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Und dann ist da diese Stille. Keine Straßen, keine Stimmen von draußen, kein Wind. Nur das leise, regelmäßige Tropfen des schmelzenden Eises und unser eigener Atem sind zu hören. Für mich ist es einer der außergewöhnlichsten Orte der gesamten Reise – und der erste Ort in Island, an dem ich wirklich völlige Dunkelheit erlebe.

Abgeschnitten von der Außenwelt bekommt man hier ein ganz anderes Gefühl für die Natur. Es ist faszinierend, aber auch ein wenig unheimlich, sich tief unter der Erde zu befinden und nur vom Licht der eigenen Stirnlampe abhängig zu sein. Die Höhle ist zudem ein empfindlicher Naturraum. Deshalb werden die Besuche reguliert und von erfahrenen Höhlenguides begleitet. Schließlich soll diese besondere Eiswelt auch für zukünftige Besucher erhalten bleiben. Bevor wir uns wieder auf den Weg nach draußen machen, wartet noch ein kleines Highlight auf uns: Wir erklimmen einen kleinen Eishügel und rutschen hinunter. Ein bisschen Kindheit kommt dabei durchaus auf – allerdings mit einer wichtigen Lektion: Wer hier rutschen möchte, sollte unbedingt eine wasserdichte Hose tragen. Sonst ist der Hintern hinterher garantiert klatschnass. Und das ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sehr unangenehm!

Schließlich schaffen wir es alle wieder aus der Höhle. Ein paar blaue Flecken und kleinere Abschürfungen nehmen wir als Souvenir mit, aber das gehört bei so einem Abenteuer wohl dazu. Hauptsache, alle sind wieder draußen und können von ihren Erlebnissen berichten.

Ein Konzert zum Abschluss

Nach diesem außergewöhnlichen Erlebnis geht es mit „Ferdinand“ zurück durch das graue Lavafeld. Doch damit ist der Abend noch nicht vorbei. Unser Guide ist nicht nur ein erfahrener Begleiter durch die isländische Unterwelt, sondern spielt auch in der Band DIMMA. Auf der Rückfahrt kommen wir deshalb noch in den Genuss eines kleinen Konzerts. Nach einem Tag voller hoher Wellen, eisiger Temperaturen und unterirdischer Abenteuer ist das ein ziemlich ungewöhnlicher, aber umso schönerer Abschluss. Erst nach Mitternacht erreichen wir unsere Unterkunft am Mývatn. Und obwohl wir längst tief in der Nacht angekommen sind, ist es draußen immer noch erstaunlich hell. Das ist eben Island im Sommer.

Nach diesem langen und ereignisreichen Tag fallen wir schließlich müde ins Bett. Morgen wartet bereits das nächste Abenteuer – aber jetzt dürfen die Füße erst einmal hochgelegt werden.