Im Luftsprung an die Garden Route

Der Morgen beginnt deutlich früher, als uns lieb ist. Noch etwas verschlafen verlassen wir das Alpine Heath Resort und damit auch die Drakensberge, die uns in den letzten Tagen fast schon ein bisschen in ihrer eigenen Welt festgehalten haben.

Die Fahrt zurück Richtung Johannesburg vergeht ruhig. Irgendwo zwischen langen Straßen, sanften Hügeln und halben Gesprächen döst der Großteil der Gruppe immer wieder weg. Diese seltsame Reisemüdigkeit setzt ein, bei der man gleichzeitig erschöpft und voller Eindrücke ist.

Am OR Tambo International Airport endet die Ruhe dann allerdings ziemlich abrupt.

Denn wie sich herausstellt, erlaubt der Inlandsflug deutlich weniger Gepäck als unser internationaler Hinflug. Also beginnt mitten in der Abflughalle das große Umpacken. Jacken wandern in Rucksäcke, Technik wird umverteilt und plötzlich sitzt man halb auf seinem Koffer, um ihn irgendwie noch geschlossen zu bekommen.

Besonders viel Aufmerksamkeit zieht dann allerdings mein Erste-Hilfe-Set auf sich. Das landet kurzfristig im Handgepäck – inklusive kleiner Verbandsschere. Eine eher mäßig gute Idee, wie sich wenige Minuten später bei der Sicherheitskontrolle herausstellt. Während mein Rucksack aussortiert wird und die Security sehr interessiert hineinschaut, steigt mein Puls kurz deutlich höher als nötig. Am Ende bleibt außer einem leicht peinlichen Moment aber immerhin nichts weiter zurück.

Vor dem Boarding holen wir uns noch etwas zu essen, bevor es schließlich weiter Richtung Garden Route geht – genauer gesagt nach Port Elizabeth.

Und plötzlich verändert sich draußen wieder alles.

Während des Flugs zieht die Küste unter uns vorbei, die Sonne sinkt langsam tiefer und taucht das Meer in goldenes Licht. 

Nach der Landung wartet bereits unser neuer Busfahrer auf uns, und es geht weiter nach Cape St. Francis – einem kleinen Ort an der Küste des Eastern Cape, bekannt für seine langen Strände, Surfer und diese abgeschiedene Ruhe, die sofort spürbar wird.

Als wir am Resort ankommen, ist es längst dunkel. Die Wege sind fast leer, irgendwo rauscht das Meer und außer vereinzelten Lichtern scheint hier kaum noch jemand unterwegs zu sein. Alles wirkt ruhig, ein bisschen verlassen und für einen kurzen Moment fast leicht unheimlich. Natürlich zieht es uns trotzdem noch direkt an den Strand. Der Mond steht hell über dem Wasser, die Wellen rollen gleichmäßig an die Küste und nach diesem langen Reisetag stehen wir einfach nur dort und schauen hinaus aufs Meer. Ein stiller Start an der Garden Route.

Kayaktour im Tsitsikamma Nationalpark

Der nächste Morgen beginnt überraschend entspannt. Nach einem richtig guten Frühstück im The Puffing Berry brechen wir samt Koffern auf Richtung Tsitsikamma Nationalpark – einem der bekanntesten Naturorte entlang der Garden Route und seit 1987 Teil des Garden Route Nationalparks.

Schon die Fahrt dorthin fühlt sich irgendwie vertraut an. Grüne Hügel ziehen an uns vorbei, dazwischen Felder und Windräder im Morgenlicht. An manchen Stellen erinnert die Landschaft fast ein wenig an die Ostseeküste in Deutschland – nur eben mit deutlich dramatischerem Himmel und Palmen am Straßenrand. Dazu perfektes Wetter: Sonne, angenehme Temperaturen und diese klare Meeresluft, die man entlang der Garden Route ständig in der Nase hat.

Tsitsikamma selbst wirkt dann fast wie ein Kontrast aus zwei Welten. Dichte, saftig grüne Wälder treffen hier auf schroffe Felsen, tosende Wellen und den türkisfarbenen Indischen Ozean. Genau diese Mischung macht die Region zu einem der beliebtesten Naturziele Südafrikas.

Unser erster Halt führt uns zur Paul Sauer Bridge am Storms River. Hoch über der Schlucht spannt sich die Brücke über das Tal, während tief unter uns der Storms River zwischen den Felsen verschwindet. Allein der Blick nach unten sorgt schon für leicht weiche Knie.

Hier trennt sich die Gruppe zum ersten Mal. Einige entscheiden sich für die bekannte Canopy Tour durch den Tsitsikamma Forest. Dabei rast man an mehreren Seilrutschen durch die Baumwipfel riesiger Yellowwood Trees – definitiv ein Highlight für alle, die Geschwindigkeit und Höhe mögen.

Für Menschen mit Höhenangst allerdings eher eine mittelschwere Herausforderung. Also definitiv nichts für mich.

Stattdessen fahren wir Übriggebliebenen weiter in den Tsitsikamma Nationalpark zur berühmten Storms River Mouth Bridge – einer 77 Meter langen Hängebrücke, die leicht schwankend über der Mündung des Storms River hängt. Unter uns kracht das Wasser gegen die Felsen, während der Fluss direkt in den Indischen Ozean übergeht.

Ich überrede unseren Guide spontan zu einer Kajaktour im Nationalpark. Rückblickend wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen der gesamten Reise. Die Tour startet direkt hinter der Hängebrücke. Zuerst paddeln wir entlang der Küste und unter der berühmten Storms River Bridge hindurch, bevor wir tiefer in die Storms River Schlucht hineinfahren. Links und rechts ragen die dunklen Felswände steil nach oben, während das Wasser unter uns ruhig durch die Schlucht gleitet.

Mit unseren Doppelkajaks fahren wir sogar in eine kleine Fledermaushöhle hinein. Über uns hängen die Tiere gut versteckt in den Felsspalten, während die Geräusche der Höhle zwischen den Wänden widerhallen. Irgendwann endet das Kajakstück und das eigentliche Abenteuer der Tour beginnt. Die Kajaks werden gegen sogenannte Lilos getauscht – kleine aufblasbare Luftmatratzen, auf denen wir bäuchlings weiter durch die enge Schlucht treiben. Zwischendurch klettern wir über rutschige Felsen, treiben beinahe schwerelos durch das Wasser und schauen immer wieder hinauf zu den gigantischen Felswänden,