Solange alle ruhig sitzen bleiben, wird das Fahrzeug meist einfach als Teil der Umgebung wahrgenommen. Sobald sich Menschen einzeln bewegen oder aufstehen, verändert sich dieses Bild – und damit auch die Reaktion der Tiere. Dann startet der Motor. Und plötzlich beginnt sie wirklich – unsere erste Fahrt durch die afrikanische Wildnis.

Den „Big Five“ auf der Spur
Schon nach kurzer Zeit entdecken wir eine kleine Gruppe Afrikanischer Büffel, die gemächlich durch das hohe Gras zieht. Sie gehören zu den berühmten Big Five – und gelten als besonders unberechenbar. Ihre Körpersprache kann sich in Sekundenbruchteilen verändern. Eben noch wirken sie ruhig und gelassen, im nächsten Moment könnten sie losstürmen. Ein Tier, dem man lieber mit respektvollem Abstand begegnet.

Wenig später tauchen zwei Nashörner auf – massive graue Körper, die erstaunlich friedlich wirken. Dabei bringen sie bis zu zweieinhalb Tonnen auf die Waage und können trotzdem schneller laufen als ein Mensch. Uns fällt sofort auf: Die Hörner fehlen.Viele Nashörner im Reservat werden vorsorglich enthornt, um sie vor Wilderern zu schützen.
Jungtiere werden meist im Alter von etwa zwei bis drei Jahren zum ersten Mal entthront, sobald das Horn ausreichend gewachsen ist. Das Horn wächst innerhalb weniger Jahre wieder nach – ähnlich wie ein Fingernagel – weshalb die Tiere regelmäßig betäubt werden müssen, um es erneut zu kürzen. Ein trauriger Kompromiss – nur weil manche Menschen im Horn das große Geld sehen.

Und dann folgt das Highlight dieser Fahrt.
Im hohen Gras liegen zwei Löwinnen – entspannt, wachsam und völlig unbeeindruckt von unserem Jeep. Etwas abseits bewegt sich plötzlich etwas: Ein kleines Löwenbaby lugt neugierig durch die Baumgabel eines umgestürzten Baums in unsere Richtung.

Das Jungtier wirkt wie ein übermütiger Fellball. Es stolpert über seine eigenen Pfoten, springt ein paar Schritte vor, rollt sich wieder herum und versucht immer wieder, eine der Löwinnen zum Spielen zu animieren.
Mal tapst es neugierig ins Gras, mal versteckt es sich zwischen den Körpern der Mütter, nur um Sekunden später wieder herauszuschauen.Zwischendurch bleibt es stehen, schaut uns direkt an und versucht offenbar zu verstehen, was dieses große, brummende Ding mit den vielen Augen darin eigentlich ist.

Die Löwinnen bleiben gelassen. Eine hebt kurz den Kopf, beobachtet das Junge – und legt ihn wieder ins Gras. Wir sind völlig fasziniert von dieser Szene. Bis uns plötzlich etwas anderes auffällt: der Geruch. Und zwar ziemlich deutlich. Der Geruch von Löwen ist eine intensive Mischung aus warmem Tierfell, rohem Fleisch und einem moschusartigen Raubtierduft, der deutlich verrät, dass hier ein Jäger der Savanne lebt. Ein Stück weiter entdecken wir einen riesigen Knochenhaufen. Vermutlich die Überreste einer Giraffe. Die Knochen sind gewaltig, fast surreal groß. Ein stiller Hinweis darauf, dass hier draußen alles Teil eines großen Kreislaufs ist.
Fun Fact!
Der Begriff „Big Five“ stammt ursprünglich von Safari-Jägern und bezeichnete die fünf Tiere, die als besonders schwer zu jagen galten. Dazu gehören Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Afrikanischer Büffel. Heute nutzen Ranger und Reiseführer den Begriff für die berühmtesten Safari-Tiere, die jeder Besucher unbedingt einmal in freier Wildbahn sehen möchte.